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DO-IT-YOURSELF ENTSIEGELN + BEGRÜNEN

Versiegelte Flächen rund ums Haus mögen pflegeleicht sein, doch zeitgemäß sind sie nicht mehr. Der Klimawandel bringt mehr Hitze und Starkregen. Moderne, zukunftsfitte Siedlungsräume führen Niederschlagswasser in den natürlichen Wasserkreislauf zurück und haben einen hohen Grünanteil. Das gelingt durch den bedachten Einsatz von Asphalt und Beton und durch gezielte Entsiegelung und Begrünung von öffentlichen und privaten Flächen.

Wie du auf deinem Grundstück selbst aktiv werden kannst und welche für Vorteile das bringt, erfährst du auf dieser Seite und im DIY-Leitfaden mit Schritt für Schritt Anleitung und praktischen Informationen.

DIY-Leitfaden: Schritt für Schritt Anleitung

Der Do-it-yourself-Leitfaden zeigt

  • wie eine Teilentsiegelung konkret umgesetzt werden kann,
  • welche Methoden und Werkzeuge für eine erfolgreiche Realisierung benötigt werden,
  • was bei der Umsetzung zu beachten ist und welche Arbeitsschritte aufeinander folgen.

BODAguat – Einfach Entsiegeln und Begrünen

Ergänzende Informationen zu Mietmöglichkeiten von Geräten, Verkaufsstellen für Substrate und Bezugsquellen für Saatgut findest du hier.

Was bedeutet 'versiegelt', was ist eine Entsiegelung?

Versiegelung bedeutet, dass der Boden mit wasser- und luftdichten Materialien bedeckt ist, z.B. durch Gebäude, Straßen oder Parkplätze. Es kann kein Regenwasser versickern und wichtige natürliche Funktionen des Bodens gehen verloren.

Damit diese Probleme vermieden werden können, ist es am sinnvollsten, die Flächenversiegelung von vornherein soweit wie möglich zu vermeiden.

Beim Entsiegeln wird die versiegelnde Schicht entfernt und der Boden wieder durchlässig gemacht. Dabei gilt: Je natürlicher der Bodenaufbau, desto besser die Bodenfunktionen wie Wasserversickerung oder Kühlleistung und das Bodenleben.

Positive Wirkungen von Entsiegelung und Begrünung

Unversiegelte Flächen haben entscheidende Vorteile für unsere Nachbarschaften und die Natur:

  • Schutz vor Starkregen: Versickerndes Wasser entlastet die Kanalisation und mindert das Überschwemmungsrisiko bei Extremwetterereignissen.
  • Neues Grundwasser: Jeder Liter, der versickert, bildet neues Grundwasser und stärkt den natürlichen Wasserkreislauf.
  • Natürliche Kühlung: Verdunstendes Wasser sorgt an heißen Sommertagen für eine spürbare Abkühlung der Umgebung – das reduziert Hitzestress.
  • Lebensraum bieten: Offener Boden ist Heimat für Pflanzen, Tiere sowie wichtige Mikroorganismen und ermöglicht eine hohe Artenvielfalt.
  • Mehr Lebensqualität: Wo Grün graue Flächen ersetzt, wird das Wohnumfeld attraktiver.

Welche Möglichkeiten der Entsiegelung gibt es?

Die Art und Weise, wie du eine Fläche entsiegelst und neu gestaltest, hängt stark von der Nutzung ab. Die Möglichkeiten sind vielfältig: von der vollständigen Umwandlung in Grünland, über teilentsiegelte Grünflächen mit artenreichen Wildblumen bis hin zur robusten und wasserdurchlässigen naturnahen Lösung für Nutzflächen.

VOLLENTSIEGELUNG

Für Flächen, die in Grünland umgestaltet werden, ist die vollständige Entsiegelung die beste Lösung, wenn z.B. eine asphaltierte Fläche in einen Garten, eine Wiese oder ein Beet umgewandelt wird. Das Ziel dabei ist, einem natürlich gewachsenen Boden so nahe wie möglich zu kommen (auch Rekultivierung genannt).

  • Vorgehen: Alle undurchlässigen Schichten und der Unterbau werden komplett entfernt. Der Boden wird bis zum natürlich gewachsenen Erdreich ausgehoben und mit lockerem, humusreichem Mutterboden aufgefüllt. Das neue Material reicht etwas höher, setzt sich aber mit der Zeit. Wichtig ist, dass es keine größeren Steine oder Grassbüschel enthält. Anschließend wird die Fläche eingesät oder bepflanzt (z.B. als Rasen, artenreicher Kräuterrasen oder Beet).
  • Vorteile: Alle natürlichen Bodenfunktionen (Speicherung, Filterung, Lebensraum) werden wiederhergestellt. Die Fläche kann Regenwasser aufnehmen, kühlt das Mikroklima optimal und bietet einen hohen ökologischen Wert.
TEILENTSIEGELUNG STELLFLÄCHE (z.B. als Schotterrasen)

Eine Entsiegelung muss nicht das Aus von Stell- und Nutzflächen bedeuten. Für Bereiche, die weiterhin befahren oder begangen werden (z.B. Hauseinfahrten, Parkplätze, Wege), bietet sich eine wasserdurchlässige, begrünte Teilentsiegelung an.

  • Vorgehen:  Die wasserundurchlässige Deckschicht wird durch sickerfähiges Material in Form von Flickschotter ersetzt und mit Schotterrasen-Saatgut begrünt. Der Unterbau bleibt verdichtet und die Tragfähigkeit erhalten.
  • Vorteile: Regenwasser kann eingeschränkt versickern und der Oberflächenabfluss wird verringert. Die Fläche ist befahrbar und begehbar und zugleich naturnäher. Schotterrasen ist stark belastbar, für langsames Befahren geeignet, teils mit Gras bewachsen und heizt sich weniger auf als Asphalt.
TEILENTSIEGELUNG GRÜNFLÄCHE

Nicht mehr genutzte versiegelte Bereiche können in ökologisch wertvolle, artenreiche Grünflächen umgewandelt werden. Das kann ein KFZ-Stellplatz sein oder es wird ein Teil einer versiegelten Fläche geöffnet und begrünt, z.B. eine Baumscheibe vergrößert oder ein Zufahrtsweg um einen Grünstreifen verschmälert.

  • Vorgehen: Die Versiegelungsschicht wird entfernt, der Unterbau bleibt im Boden und wird lediglich gelockert. Verfüllt wird mit wasserdurchlässigem Material wie Betonkies und dann mit standortgerechtem Saatgut oder Pflanzen begrünt.
  • Vorteile: Der Boden kann wieder Wasser aufnehmen. Mit der Begrünung steigen die Artenvielfalt und die Attraktivität des Außenraums.

Ein Selbstversuch: Welche Entsiegelungsmöglichkeiten gibt es auf deinem Grundstück?

Viele Flächen auf privaten Grundstücken sind versiegelt. Es lohnt sich, die aktuelle Situation zu hinterfragen und zu prüfen, wo es nicht zwingend eine wasserdichte Schicht benötigt. Gehe über dein Grundstück und schau nach Bereichen, auf denen Regenwasser nicht versickern kann.

Entsiegelungspotenziale finden sich oft bei zu breiten, selten genutzten, großen

  • Hauseinfahrten
  • Parkplätzen
  • Fußwegen
  • Hinter-/Innenhöfen und Vorgärten
  • Plätzen für Abfallbehälter

Du hast potentielle Flächen gefunden und möchtest selbst aktiv werden. Wir unterstützen dich mit dem DIY-Leitfaden BODAguat – Einfach Entsiegeln und Begrünen und den folgenden ergänzenden Informationen.

 

Vertiefende Informationen zum Leitfaden

GERÄTEMIETE
  • Boels Verleih Hohenems bietet verschiedene Schneidegeräte, u.a. Trennschleifer, dazu Rüttelplatten, Handstampfer etc.

  • Helber Mietpark Hard verleiht Minibagger, Trennschleifer, Rüttelplatten etc. an Privatpersonen.

Folgende Fachmärkte vermieten Handstampfer, Rüttelplatten und zahlreiche Gartenwerkzeuge etc.

ASPHALT-ABGABESTELLEN

Abbruch-Asphalt kann bei Recyclingunternehmen und größeren Erdbaufirmen abgegeben werden. Die Entsorgungskosten variieren deutlich, ein Vergleich verschiedener Anbieter lohnt sich.

Tipp: Alternativ zum Transport kann eine Absetzmulde (Kleincontainer) gemietet werden. Es gilt, die Kosten zu beachten.

Tipp: Bei Betonflächen ist die Härte und ob Baustahl verwendet wurde oft unbekannt. Es hilft daher, an einer Ecke mit Hammer und Meißel zu testen. Wenn die Materialzusammensetzung klar ist, sind die Entsorgungskosten kalkulierbarer.

KEIMFREIER KOMPOST

Bezugsstellen für keimfreien Kompost aus der Heißrotte sind:

SCHOTTERRASEN-SUBSTRAT-MISCHUNG

Die Firma Ländle Erde von Loacker Recycling bietet eine fertige Schotterrasen Mischung an, die bereits Kompost enthält. Die Saatmischung kann direkt aufgebracht werden.

Das Branner Erdenwerk in Rankweil mischt Schotterrasen-Substrat auf Bestellung im gewünschten Mischverhältnis.

SAATGUT FÜR FLICKSCHOTTER- UND BETONKIESFLÄCHEN

Wir erleben einen starken Rückgang der Artenvielfalt. Die beste Art, die heimische Vielfalt der Insekten und Kleintiere zu fördern, ist die Verwendung von gebietsheimischen Pflanzen und Saatgut.

Österreichische Mischungen werden bisher in Ost- und Südösterreich gewonnen und vermehrt. Für Vorarlberg ist Saatgut aus geografisch angrenzenden Gebieten der Ostschweiz und Süddeutschland passender, erhältlich online über Webshops. Hier einige Empfehlungen von Anbietern, die auch Kleinmengen für magere Flächen (Schotter, Kies) vertreiben. Die jeweilige Saatgutmenge pro m² wird vom Hersteller genau angegeben und sollte eingehalten werden.

Anbieter:

  • Syringa Pflanzen im Hegau in der Nähe von Konstanz mit Lieferung nach Österreich
  • Hof Berg-Garten im Schwarzwald mit Lieferung nach Österreich
  • UFA Wildblumensamen aus dem Schweizer Rheintal, zu bestellen und abzuholen in einem grenznahen Landi Agrarmarkt (z.B. Buchs, St. Margrethen)
Saatgutempfehlungen für Stellflächen: Flickschotterflächen / Schotterrasen

Damit die Saat flächig aufgeht, sollte die Fläche idealerweise 2-3 Monate nicht befahren und wenig begangen werden. In der Praxis ist das oftmals nicht möglich. Dann wächst das Grün dort, wo es kann.

Saatgutempfehlung für Grünflächen: Blütenreiche Wildblumenflächen / Magerbeete auf Betonkies

Damit es schon im ersten Jahr reich blüht, können zusätzlich 1 bis 2 Wildblumenstauden pro m² gesetzt werden, am besten solche, die schon in der Mischung vorkommen. Nach der Aussaat heißt es Geduld haben: die Wildblumen bilden im ersten Jahr Blattrosetten und wachsen im zweiten Jahr zu voller Blüte heran.

KOSTEN EINER ENTSIEGELUNG UND BEGRÜNUNG

Je mehr Arbeitsschritte des Entsiegelungsvorhabens in Eigenregie durchgeführt werden, desto geringer die Kosten. Die größten Posten sind die

  • Gerätemiete (z.B. Trennschleifer ab EUR 80,- / Tag)
  • Entsorgung des Asphalts (die Kosten variieren je nach Unternehmen und Region deutlich und liegen pro Tonne zw. EUR 25,- bis EUR 120,-)
  • Beschaffung des neuen Materials (z.B. Flickschotter ab ca. EUR 20,- / t, Kompost ab ca. EUR 60,- / m³)


Erscheint der Rückbau in Eigenleistung zu aufwändig, kann ein Fachbetrieb für einzelne Arbeitsschritte zugezogen werden, z.B. Schnitt und Abtrag des Asphalts. Ein Preisvergleich (mit Festpreisen) ist empfehlenswert.

Partnerunternehmen im Projekt BODAguat:

BAUMPFLANZUNG – WAS GILT ES ZU BEACHTEN

Wer im Zuge des Entsiegelns und Begrünens einen Baum pflanzen möchte, sollte sich informieren und den Standort gut wählen. Speziell im Siedlungsraum wird den Bäumen ober- wie unterirdisch oft zu wenig Platz gegeben. Der Pflanzabstand richtet sich nach der Endbreite der Krone. Es gilt Infrastrukturleitungen im Boden zu beachten. Wichtig sind eine ausreichend große Pflanzgrube, die Verwendung von hochwertigem Pflanzmaterial und eine fachgerechte Anwuchs- und Entwicklungspflege.

Bei Neupflanzung ist heimischen Baumarten und traditionellen Obstbäumen der Vorzug zu geben. Nicht zu groß wachsende Laubbäume mit hohem Biodiversitätsindex sind beispielsweise Eberesche, Feldahorn, Traubenkirsche und Wildkirsche.

Tipp: Sträucher und Bäume aus heimischer Vermehrung sind beim Landesforstgarten erhältlich. Die Brochüren Naturvielfalt im Siedlungsraum des Landes Vorarlberg und Bäume im Hausgarten von KLAR! im Walgau bieten eine gute Informationsquelle. Weitere Informationen liefert beispielsweise die Natur im Garten Initiative mit "Bäume für die Zukunft pflanzen".

Bei der Durchführung des LEADER-Projekts "BODAguat - Einfach Entsiegeln und Begrünen" werden wir unterstützt durch Bund, Land Vorarlberg und Europäische Union (LEADER).
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft
Europäische Kommission
LEADER Region VWB: Projektbeschreibung BODAguat

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